Meine Arbeitskollegin findet es nicht in Ordnung, wie mit Tieren umgegangen wird. Sie sieht bei mancher Tierquälerei sogar mehr als rot. Meinen veganen Entschluss kann sie auch ab-so-lut nachvollziehen, damit nicht genug findet sie den sogar toll. Es wird auch keine Gelegenheit ausgelassen, um mir zu versichern, dass ich da auf dem richtigen Weg bin. Überhaupt kann ich stolz auf mich sein, sie ist sich auch nicht zu schade, so etwas sogar vor anderen Leuten ganz klar anzusprechen, egal, was die davon halten. Da gibt es ihrer Meinung nach nämlich nichts, wofür ich mich schämen müsste, ganz im Gegenteil. Für sie ist es einfach eine Schande, wie achtlos manche Menschen mit dem Thema Tierausbeutung umgehen. Sie ist da nämlich VÖLLIG anders. Zwar verzichtet sie nicht auf Fleisch, allerdings isst sie nur noch sehr wenig und bei ihren monatlichen Mengen im Milligramm-Bereich informiert sie sich grundsätzlich über die Haltung der Schlachttiere, das ist sie den Opfern einfach auch schuldig.

An ihrem Geburtstag hat sie der Abteilung ein Mittagessen ausgegeben. SELBSTVERSTÄNDLICH habe ich Tofu bekommen, sie fand es natürlich auch super, dass sie das für mich bestellen durfte. Als Tierfreundin bewundert sie ja wie gesagt meine übermenschliche Konsequenz bei diesem Thema. Sie selber hat dann aber doch für sich und die Restabteilung auf Entenbrüste zurückgegriffen. Ausnahmsweise hat sie den Chinamann bei der Bestellung auch nicht gefragt, in welchem Konzentrationslager die Opfer ihrer Wahl beheimatet waren und mit welchem Niedlichkeitsgrad neutrale Beobachter die Massenhinrichtungen beurteilt hätten. Woher soll der Mann in der Bestellannahme so was auch wissen? Da muss man notgedrungen mal einen Schlenker auf seinem ansonsten so gerade verlaufenden Tierschutzpfad in Kauf nehmen, so sehr einen das auch persönlich ärgern mag.

Sie geht auch öfters mittags in einen benachbarten Grill, dort wird von ihr natürlich auch nicht nachgehakt, wie genau die Schweine für ihr Schnitzel umgebracht wurden und wie zufrieden diese Wesen im Nachhinein mit ihrer Ermordung waren. Aber warum sollte sie sich da auch vor dem Besitzer auf der anderen Seite der Theke blamieren? Da würde man im Zweifelsfall sowieso nur einen Stirnrunzler ernten. Denn man kann ja nicht von so einem einfachen Mann verlangen, dass er sich genauso konsequente und unbequeme Gedanken um Tierschutzrichtlinien macht, wie sie das tagtäglich und inzwischen auch schon in einem Automatismus praktiziert. Auch in diesem Fall muss sie zähneknirschend Zugeständnisse machen, allerdings kennt ihr Bedauern ob dieser Einsicht praktisch keine Grenzen.

Wenn sie auswärts von Bekannten, Familienangehörigen oder Freunden eingeladen wird, kann sie natürlich auch nicht verlangen, dass sich diese Leute darum scheren, auf welche beneidenswerte Art und Weise die Tagesopfer massakriert wurden und wo diese selbst die Stärke ihres Glücksgefühls beim Sterben auf einer Skala von 1 bis 10 eingeordnet hätten. Schnell gilt man als Fanatiker, wenn man als Gast solche für sich zwar selbstverständlichen, für die Allgemeinheit aber in der Gegenwart noch unverständlichen Hintergründe kritisch zu beleuchten versucht. Damit ist dann ja auch niemandem geholfen, also beißt sie in den für sie persönlich mehr als sauren Apfel und unterlässt ihre ansonsten absolut reflexartige Recherche zum Thema.

Wenn sie in Supermärkten Fertiggerichte oder Waren mit Zusatz von tierischen Produkten kauft, kann sie sich natürlich auch nicht um die Herkunft kümmern. Aber das ist dann ja auch wirklich zuviel verlangt, wen soll sie da denn im Geschäft ansprechen? An diesem Punkt ist ja auch ganz eindeutig die Grenze zur Übertreibung erreicht, denn bei Zusätzen weiß wahrscheinlich selbst der Hersteller nicht mehr, welche Leiche er wo untergemischt hat und wie begeistert sich das betroffene Tier von dieser Welt verabschiedet hat. Das muss sie auch gar nicht thematisieren, in diesem Bereich ist es praktisch selbstredend, dass man Tierquälerei wegen Übersichtsproblemen Tür und Tor öffnen muss, so doof man diese Alternativenlosigkeit selbst auch findet.

Um das Thema abzukürzen, habe ich dann einfach mal direkt nachgebohrt, was sich hinter ihrer Beschreibung „ständige und nahezu lückenlose Informationseinholung über Haltungsbedingungen“ genau verbirgt und in welchen sporadischen Ausnahmefällen diese Vorgehensweise tatsächlich mal tollkühn von ihr angewendet wird. Diese Frage hat meinen Mundraum noch nicht mal ganz verlassen, da kam schon die Erwiderung „die Fleischtheke“. An dieser Örtlichkeit entwickelt sich die Dame nämlich zu einem menschlichen Pitbull, der sich mit Leib und Seele in den Kampf um Tierschutz verbissen hat, dementsprechend Quäler in die Enge treibt, Missstände schonungslos aufdeckt und diese dann auch mehr als streng verurteilt. Eine Metzgereifachangestellte wird da solange von ihr mit kritischen Fragen bombadiert, bis diese verzweifelt das Codewort „Bio-Haltung“ in den Verkaufsraum japst.

Danach ist dann natürlich alles in Ordnung, denn diese Haltungsform ist grundsätzlich ein Synonym für den Himmel auf Erden. Da muss man dann auch nicht mehr ins Detail gehen, das wäre wirklich mehr als pingelig. Bio – wo Kühe sich glückstrunken selbst vergewaltigen und nach ihrer Schwangerschaft dem Bauernfreund ohne Duldung von Widerspruch ihre Muttermilch inklusive Nachwuchs aufdrängen wollen. Bio – wo sich Schweine freiwillig in das Schlachtmesser stürzen, weil sie ihren eigenen Tod kaum mehr erwarten können, da dieser so eine großartige Gelegenheit darstellt, um sich mal für die genialen Zustände in ihrem persönlichen Zuchthaus zu bedanken. Bio – wo Hühner darauf bestehen, ihre potentiellen Kinder in Eigenregie entweder weich oder hart zu kochen und nicht eher mit dem täglichen Nachschub aufhören, bis dieser sich im Vergleich zur natürlichen Legerate mindestens vervierfacht hat. Bio ist so ein Gottesgeschenk für alle Ausgebeuteten, wer das einmal ausprobiert hat, möchte definitiv nie wieder normal gefoltert werden.

Ich persönlich freue mich auf den Tag, an dem die Biohaltung endlich ihren Triumphzug auch durch andere Missstände und Verbrechensformen antritt und diese dann ebenfalls gesellschaftskompatibel macht. Das muss für Betroffene wie Weihnachten und Ostern zusammen sein. Endlich gute und vertretbare Kinderarbeit, da die Kerlchen anders gefüttert werden, mehr Platz am Fließband haben und sogar hin und wieder auf einen Hof mit gelegentlichem Sonnenlicht getrieben werden. Keine Gewissensbisse mehr bei Vergewaltigungen, da die Opfer vorher ein wunschlos glückliches Leben geführt haben und nur noch nach strengen Bio-Richtlinien penetriert werden dürfen. Überhaupt würde somit das Ende aller Gewaltverbrechen eingeläutet werden, da Täter ihre Beute sehr viel schmerzloser und besser quälen und töten müssen. Auf das Gesicht von so manchem Halunken freue ich mich schon, wenn man ihm mitteilt, dass er sein Opfer ab jetzt nur noch auf eine schöne Art und Weise ermorden darf, damit es sich bei diesem Vorgang nicht mehr so quält und diesen dann auch selber endlich genießen kann.

Natürlich muss das dann auch konsequent kontrolliert werden, schwarze Schafe, die ohne jegliche Rücksicht einfach normal weiterquälen, wird es wohl immer geben. Das müsste man mit einem mehr als strengen Blick im Auge behalten, denn eine Bio-Mordmaschinerie kann nur funktionieren und ein Freudenquell für alle Beteiligten sein, wenn sich jeder daran hält. Man darf einfach niemals vergessen, dass viele Leute in Sachen konsequenter Tierschutz noch längst nicht so weit sind wie mein kollegiales Vorbild. Wer könnte ihnen da einen Vorwurf machen, vollbringt die Jeanne D´Arc der Tierrechte doch fast Unmenschliches an diversen deutschen Fleischtheken und sicherlich auch an so mancher ausländischen Variante. Die Tiere haben nun mal keine Stimme, mit der sie bessere Umstände bei ihrer Hinrichtung fordern können, um endlich auch aus der eigenen Sicht heraus erstrebenswert umgebracht zu werden. Die Artikulation müssen dann eben so kompromisslose Bio-Streiter übernehmen, ansonsten wird eine Welt mit moralisch absolut vertretbaren Morden immer nur eine schöne Utopie bleiben.